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Wüstung und Wüste
Jan 23 - April 10, 2010

"Wüstung und Wüste" ist Uwe Hennekens dritte Ausstellung in der Galerie Gisela Capitain. Er zeigt sieben neue, in Größe und Format variierende Ölmalereien auf Leinwand.

Uwe Hennekens Arbeiten bewegen sich zwischen Symbolismus, Romantik und Expressionismus. Charakteristisch sind seine Landschaften – hier in den neuesten Werken wüstengleich und menschenleer. Nur in einer, sehr großformatigen Arbeit, die den Titel "The Frontier People - Handkerchief Tree" trägt, ist eine fabelhafte Figur zu sehen, die fliehend und unwirklich durch das Bild zu huschen, das Bild zu verlassen scheint.

Wüstung und Wüste verstehen sich als Gegenpaare - wie Negativum und Positivum. Sie beschreiben Uwe Hennekens Bildwelten in ihrer Widersprüchlichkeit. Der Begriff „Wüstung“ steht für Siedlungen, die vor der Neuzeit aufgegeben wurden. Er entspricht somit dem Ende, während Wüste zwar zunächst lebensfeindlich ist, andererseits jedoch ein Anfang sein kann – vergleichbar der Erfahrung eines Eremiten, der in der Einsamkeit der Wüste sich selbst finden und spirituelle Ebene erreichen kann. Die Wüste ist Ursprung der drei großen monotheistischen Religionen. Die Arbeit "Rekluse am Rande der Sketis" greift dieses Thema auf. In der sketischen Wüste entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 4. Jahrhunderts aus einer Eremitengemeinschaft heraus eine der Grundformen des christlichen Mönchtums, Wurzeln unserer europäischen Kultur.

Der Begriff „Wüste“ taucht außerdem bei Ernst Jünger auf als Beschreibung von aufgeklärter Moderne, die ihren Bezug zu Transzendenz und Tradition verloren hat. Anfang und Ende, Aufblühen und Verfall – dieser ewige Zyklus zieht sich durch alle Kulturen. "Wüstung und Wüste" dient somit als Symbol für Verlust und Wiederkehr.

Durch die Abstinenz der sonst so charakteristischen Wesen in Uwe Hennekens Werk entsteht gleichsam etwas Neues: der Betrachter selbst wird zur Figur. 

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