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RICHARD SMITH
4. März - 13. April 2017

Galerie Gisela Capitain freut sich, ihre zweite Ausstellung mit frühen Werken des britischen Künstlers Richard Smith (1931–2016) anzukündigen.

Während Smith sich in seinem in London entstandenen Frühwerk überwiegend mit dem amerikanischen abstrakten Expressionismus auseinandergesetzt hatte, begann er in den 1960er Jahren Elemente der damals aufkommenden Pop Art in sein Werk zu integrieren. Zunächst spürte Smith in London der amerikanischen Kultur nach, bis er während eines Studienaufenthaltes in New York 1959-1966 unmittelbar mit den großformatigen Werbeflächen, Leuchtreklamen, Hochglanzmagazinen und dem kommerziellen „packaging“ konfrontiert wurde, die er fortan als Referenzen für seine großformatigen, farbintensiven Bilder heranzog. 

Die Ambitionen des abstrakten Expressionismus und der Farbfeldmalerei weiterhin verfolgend, verlieh Smith den Pop-Thematiken eine formalistische Ästhetik. Die Fusion dieser divergierenden künstlerischen Ansatzpunkte und das daraus resultierende Spannungsverhältnis machte sein Werk in den 1960er Jahren in Großbritannien einzigartig.

Ab 1963 begann Smith damit, in den Raum ausgreifende Bilder zu schaffen. Diese dreidimensionalen, an Kartonagen erinnernde Konstruktionen bezeichnete Smith als „Schachtel- oder Kartonbilder“. Karton war für ihn ein beständiges Thema der Zivilisation, angefangen bei Zigarettenschachteln bis hin zu Lebens-mittelverpackungen. Sein ursprünglich sehr gestischer Malstil mit weichen, unscharfen Konturen (First Fifth, 1962) wurde ab der Mitte der 1960er Jahre zunehmend abstrakter und formaler (Four Corners 4, 1965 und Kodak 3, 1966), seine Bezugspunkte blieben dabei unverändert.

In den 1970er Jahren entwickelte Smith aus den dreidimensionalen Leinwänden die „kite paintings“. In diesen Arbeiten ersetzte er die traditionellen Keilrahmen durch Aluminiumstangen, auf die er die Leinwände aufspannte. Fäden, Schnüre und Bänder sind gleichsam Träger der Arbeiten als auch gestalterisches Mittel. Die diagonale Ausrichtung der „kite paintings“ sowie die geometrische Organisation der Formen verweisen auf Ansätze des frühen Konstruktivismus. Im Gegensatz zu der strengen Struktur der Arbeiten stehen oftmals die pastellenen Farben und der gestische Farbauftrag. Die zumeist mehrschichtigen „kite paintings“, die –wie Smiths’ skulpturale Bilder– den Konventionen des zweidimensionalen Rechtecks als Bildträger trotzen, schuf Smith bis in die 1980er Jahre hinein.

Wie experimentell auch immer Richard Smiths Werke ausfielen, standen seine Arbeiten immer in der Tradition der Malerei; er trieb neue Wege im Umgang mit dem Medium voran. Smiths Dekonstruktion der Elemente der klassischen Staffeleimalerei setzt sich nicht nur mit der Oberflächenkonstruktion, sondern auch mit Farbkontrasten, Licht und einer Neuformulierung von Zeichnung auseinander. Seine progressive Auseinandersetzung mit der Malerei und sein höchst individueller Ansatz machen ihn zu einem der radikalsten und originellsten Künstler seiner Zeit.

1966 war Richard Smith einer von fünf Künstlern, die Großbritannien auf der Biennale in Venedig vertraten, 1970 war er alleiniger Repräsentant. 1967 gewann er den Grand Prize auf der 9. São Paulo Biennale und stellte in den 1970er Jahren in Museen in Europa, Nord- und Südamerika aus. Seine Werke sind in zahlreichen öffentlichen Sammlungen vertreten, wie beispielsweise im British Museum, London, Museum of Modern Art, New York, oder in der Tate Gallery, London.

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