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2. Juni - 29. Juli 2017

Galerie Gisela Capitain freut sich, ihre achte Ausstellung mit neuen Arbeiten von Jorge Pardo anzukündigen.

Jorge Pardos Werk zeichnet sich durch eine Verschränkung von Skulptur und Malerei, Design und Architektur, Handwerk und digital gesteuerter Produktion aus. Zentraler Bestandteil seiner künstlerischen Praxis ist das Experimentieren mit unterschiedlichen Displayformaten. Dabei stehen Fragen der Gestaltung und Formfindung im Zentrum seiner Praxis.

Die Wandobjekte, die Pardo für die Ausstellung in der Galerie Gisela Capitain geschaffen hat, sind Hybride zwischen Skulptur, Malerei und Objekt. Sie visualisieren den Malereidiskurs im Sinne Pardos. Bilder mit reichhaltiger Oberflächengestaltung entstehen aus einem Spiel aus verschiedenen Schichten und unterschiedlichen Ebenen. Formen überlagern sich aus am Computer abstrahierten Motiven aus dem alltäglichen Umfeld des Künstlers, werden ornamental durchbrochen und auf Holzplatten gefräst, die farbig bemalt und mit Plexiglas hinterlegt werden. Die Schnappschüsse, die Pardo als Ausgangsmotive für seine Bildfindungen nutzt, stammen zwar aus seiner privaten Fotosammlung, stellen sie jedoch gleichzeitig klassische Malereigenres wie Landschaften, Stillleben oder Porträts dar.

Das für die Malerei essenzielle Licht holt Pardo direkt ins Bild, indem er es Leuchtkasten-ähnlich von hinten mit LED Lampen erhellt. Dabei entsteht ein optisches und gleichsam ikonographisches Spiel, welches die Wahrnehmung des Werks elementar beeinflusst. Ist das Licht des Objekts eingeschaltet, verändert sich zum einen die Farbigkeit, zum anderen ändern sich die Formen und Motive, die nun sichtbar oder unsichtbar werden.

Pardo greift mit seinen neuen Werken essentielle Fragen der Malerei auf, wie die nach Transparenz oder Licht im Bild. Sowohl das Thema Licht als auch das Interesse am Ornament ziehen sich als gestalterische Elemente wie ein roter Faden durch Pardos gesamtes Werk in seiner medialen Vielschichtigkeit.

Die selben Ausgangsmotive, die Pardo für seine großformatigen, farbigen Werke nutzt, abstrahiert er nochmals mittels Computerprogrammen, aber diesmal zu ornamentalen, dreidimensionalen „Zeichnungen“. Diese bestehen aus mehreren gitterartig übereinanderliegenden Papierschichten, die jeweils mit Hilfe des Lasers ausgeschnitten wurden und sich nun reliefartig entfalten. Ganz bewusst hält Pardo diese Arbeiten in Grautönen, um ihr zeichnerisches Moment hervorzuheben und präsentiert sie analog zu den erleuchteten Malerei-Kästen in tiefen Plexiglas-Rahmen.

Pardo bezeichnet die ausgestellten Werke als „paintings“ beziehungsweise „drawings“, wodurch deutlich wird, dass er nicht in Gattungsbegriffen oder erlernten Kategorien denkt, denn schon die Dreidimensionalität der Werke widerspricht der traditionellen Definition der Gattungen Malerei und Zeichnung im Sinne eines zweidimensionalen Mediums. Trotzdem findet in den Werken eine Auseinandersetzung mit Malerei, Zeichnung, Bildträger und Form statt. Dieser Verschiebungsprozess von Bedeutungszuweisungen ist elementarer Bestandteil von Pardos diskursiven Werk.

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